Die Favela Planalto und die Menschenrechte

Ein wunderschönes Obstfrühstück erwartet uns nach dem anstrengenden Kofferpacken. Wir essen nicht lang, dann beginnt die Verabschiedung von den anwesenden Familienmitgliedern von neuem. (Noch sind wir in São Paulo) Mit unseren Rollkoffern gehen wir zur Kirche. Unsere Mãe wird die 300 Meter gefahren. Sie ist halt Brasilianerin…  Jetzt treffen wir auf die tränenreiche Abschiedsszene und auf den nachgereisten Martin Lechner, dem die Anstrengung des Flugs anzumerken ist. Auch ein Fernsehteam vom örtlichen Sender ist da und will uns begleiten, wenn wir heute in eine Favela gehen werden. Nach vielen weiteren Tränen und Abschieden fahren wir nach Planalto, einer Favela wie […]

Indios, Essen und Abschied von São Paulo

Nach dem langen Abend ist unsere Mãe ((Gast-)Mama) überrascht über unser frühes Erscheinen in der Küche. Es gab Unstimmigkeiten in der Absprache unter den Brasis. Trotzdem essen wir nur einen Moment später unser Frühstück und werden auch mit Lanche versorgt. Weil wir heute für unser Mittagessen selbst sorgen sollen, glauben unsere Eltern, dass wir verhungern, wenn wir nicht Essen für eine ganze Kompanie mitnehmen. Widerspruch zwecklos! Genauso dachten auch alle anderen Gasteltern und wir glauben schon, einen eigenen Verpflegungsbus zu brauchen, um die Mengen an Bananenkuchen, Baguette, Obst, Keks, Blätterteigzopf mit Hähnchenfüllung, Guavenkuchen, … zu transportieren. Mit dem sicheren Wissen, […]

18. Juli – „Eine Reise zu Gott“ – und eine zur Verlobung

  Wir werden mit einem leckeren Frühstück erwartet. Kaffee, der aus mehr Zucker als Wasser besteht (übliche Zubereitungsform in Brasilien…), aber auch normaler Kaffee, warmes „pão parisiense“ (sprich: Baguette), Salami, Mortadella, Schinken und Geleia (Marmelade). Heute sollen wir abends an der Verlobungsfeier der Tochter teilnehmen – gestern wurden wir schon darauf aufmerksam gemacht, aber heute früh ist es nochmal großes Thema. Wir – fünf Gäste, die bis gestern abends unbekannt waren – sind mit 10 anderen Familienangehörigen auf so ein privates Fest eingeladen. Irgendwie glaube ich immer noch, dass ich etwas falsch übersetzt habe… Vor der Kirche treffen wir auf […]

Stolperstein oder Eckstein? – Die Lebensgeschichte von Agnaildo de Gomes

Heute hatten wir ein Treffen mit Paolo Suess, einem Befreiungstheologen´, der 1966 von Deutschland kommend am Amazonas angekommen war. Begleitet wurde er von Agnaildo  de Gomes, der uns seine Lebensgeschichte erzählte. In einem Dorf mit 13.000 Einwohnern geboren, wuchs er mit seinen Geschwistern und seiner Mutter auf. Seine einzige Möglichkeit, zum Familienunterhalt beizutragen war die Arbeit auf dem Zuckerrohrfeld. Wie im Film von Charlie Chaplin – Moderne Zeiten – lief jeder Tag ab. Die gleiche eintönige aber anstrengende Bewegung vollzog jeder Arbeiter nicht nur den ganzen Tag, die Bewegung wiederholte sich die ganze Nacht durch. Von 13 bis 23 Jahren arbeitete […]

Von Stadien, Hausbesetzern und Kulturaustausch

Das neue Stadion (für die WM) in Sao Paulo ist gigantisch. Die Baustelle auch. In Brasilien ist man geteilter Ansicht über die Sinnigkeit dieses Unternehmens. Ein “weißer Elefant” wird gebaut. Ein Stadion, das nie mehr genutzt werden wird, weil es viel zu groß ist. Ein Stadion, das so teuer ist, dass die Eintrittspreise wieder nur für die Wohlhabenden erschwinglich ist. Dennoch ist bei manchen Brasilianern der Stolz so groß, dass sie jeden Tag hierher kommen, um den Fortschritt zu fotografieren. Keine Frage – eine Studentin mit Bayern-Trikot kommt da gut an… Das war nur ein kurzer Abstecher aus der Armut. […]

WJT Rio 2013 – Ankunft und “missionarische Woche”

Als Vorbereitung auf den Anblick des Papstes (Brasilien ist ja schließlich ziemlich katholisch) sollen alle Teilnehmer des Weltjugendtages (WJT) eine missionarische Woche absolvieren. Das war für manche Teilnehmer wohl so entsetzlich, dass sie mit fehlenden Einreisevoraussetzungen am Flughafen ankamen. Von den 17 Studenten (16 Frauen, ein Mann) hatte eine Teilnehmerin nur ihren amerikanischen Reisepass und den deutschen Ausweis dabei. Mit dieser Ausweisform hatte sie schon öfters Schwierigkeiten, schlussendlich war sie aber immer über die Grenzen gekommen. Nicht aber diesmal. Nicht beim Einchecken, nicht an der Passkontrolle, sondern beim Einsteigen wurde sie zurückgerufen und musste auf deutschem Boden bleiben. Da wollte […]

Auf gepackten Koffern – Rückreise mit Überraschungen

Eigentlich hätten wir es uns ja schon bei der Ankunft in Natal denken können, als wir mitten in der Nacht zwei Stunden am Zoll standen, weil die Bundespolizei wegen eines Streiks “Dienst nach Vorschrift” machte, jeden Koffer durchleuchtete und öffnen ließ. Dass aber einfach unser Flugzeug nicht flog, das hätten wir nicht gedacht. Das kam so: Am Nachmittag vorher waren wir aus Recife nach Mãe Luiza zurückgekehrt. Der Zeitplan war eng. Wir mussten noch an den Computer im Centro Sócio, um all unsere Reisephotos runter zu laden, anschließend hatte Irmã Francisca noch ein leckeres Abschiedsessen für uns gekocht. Am nächsten […]

König Ludwig und Hundertwasser lassen grüßen

Nanu? Was machen denn die zwei in Brasilien? Vermutlich nichts, aber was wir da in der abgelegensten Wildnis fanden, erinnerte uns doch sehr daran. Die Hitze im trockenen Hinterland wird groß. Zu fünft sitzen wir im roten Flitzer von Aparecida. Flitzen tut er noch, aber er scheppert auch verdächtig, und so ganz sicher sind wir uns nicht, ob nicht irgendwann ein Teil abfällt. Das liegt ganz und gar nicht am Alter des Autos, auch nicht am Alter oder der Fahrweise der Fahrerin, sondern an der Straße. Wir befinden uns über 100 km westlich von Natal im Nirgendwo. Der nächste größere […]

Oh, wie schön – ein Besuch in Olinda und Recife

Wenn man in Brasilien nicht gleich mit dem „Airpass” die einzelnen Regionen anfliegen will -denn die Entfernungen sind riesig-, dann gibt es noch ein gut organisiertes Fernbus-Netz, das alle größeren Städte verbindet und dort jeweils im großen Bus-Bahnhof endet. Hat man unter den Privatanbietern erst mal den gefunden, der gerade in die gewünschte Stadt fährt, muss man sich noch ausweisen und eine Karte erwerben. Das ist in den großen Knotenpunkten nicht allzu schwer, abenteuerlich wird es, wenn man an einem Zwischenstopp raus oder rein muss, denn diese Haltestellen sind irgendwo am Rande der Autobahn, wo man zu einer etwa bestimmten […]

Odyssee in Paulista

Nun habe ich zwar Geographie studiert und versuche mich seit Jahren an der Sprache Portugiesisch, das nützt aber wenig, wenn man nachts in der Wildnis ausgesetzt wird und in jeglicher Hinsicht keinen Plan hat. Doch von vorn: Unser viertägiger Abstecher führte uns nach Recife und Olinda. Dies ist ein ganzes Agglomerationsband an dem auch ein Teil der Stadt Paulista beteiligt ist. D.h. die Städte gehen nahezu nahtlos ineinander über. Wir wohnten in der sehr empfehlenswerten Pousada (Pension) “Onda Brasileira”, die von einem deutsch-brasilianischen Ehepaar geführt wird. Das ummauerte Grundstück befindet sich mitten in einer reinen Wohngegend in Paulista und ist […]