„Das süßeste Geschäft in Penzberg“ vernahm Regina Herele. Das erfüllte sie mit Zufriedenheit und auch ein bisschen Stolz. Dabei meinte die Kundin weniger die fair gehandelte Schokolade als die 17m², mit denen sich der Weltladen Penzberg seit nun 30 Jahren den ungerechten Handelsstrukturen der Weltwirtschaft entgegen stemmt.
Das ist schon ein Grund zu feiern.
Gut besucht war deshalb der Festtag. Das zeigt, dass der Weltladen einen festen Platz in den Herzen der Penzberger hat.
Das Fest begann mit einem Kaffeeklatsch und einem Ständchen der Freunde aus Mãe Luiza, unter ihnen beeindruckende Talente aus dem dortigen symphonischen Orchester der Musikschule. Es gab ein Kinderprogramm, zu essen und zu trinken und viel Freude.
Die Penzberger Sambagruppe gab gerne eine Einlage ihres Könnens, die Brasilianer tanzten dankbar mit. Die Penzberger freuten sich auch, waren aber etwas geflasht, ob der Lautstärke.
In der Feierstunde durften auch die Grußworte der Ladenchefin, Regina Herele, des ehemaligen Stadtpfarrers Willi Berchtold und des Bürgermeisters Thomas Kopf nicht fehlen. Dazu sei noch bemerkt, dass neben Pfarrer Bernhard Holz auch die ehemaligen Pfarrer Konrad Albrecht und Josef Kirchensteiner gekommen waren, die evangelische und islamische Geistlichkeit, ehemalige und stellvertretende Bürgermeister und viele Wegbegleiter. Sogar der erkrankte Padre von Mãe Luiza ließ es sich nicht nehmen, wenigstens ein Grußwort per WhatsApp zukommen zu lassen.
Ein Gewinn für Penzberg und Mãe Luiza
Der Weltladen ist ein fester Posten in der Unterstützung des Partnerschaftsvereins für das Centro Sócio in Mãe Luiza. Gewinne von 8000 bis 9000 € können üblicherweise jedes Jahr für das arme Viertel daraus erlöst werden. Etwa 20 Ehrenamtliche halten das Geschäft am Laufen. Von Anfang an wurden auch Waren direkt aus Mãe Luiza angeboten. Darunter waren Hängematten, handbestickte Geschirrtücher und Schmuck aus Samen. Letzterer war besonders nachhaltig, da er nach dem Tragen im Regen gerne mal anfing auszutreiben.
Momentan sind aus Natal handgemachte Havaianas und Geschirrtücher zu bekommen, nicht zu vergessen besondere auf Penzberg gemünzte Produkte: Windlichttüten mit Penzberg-Motiven sowie „Penzberger“ Schokolade und Kaffee; extra gemischt und mit entsprechenden Motiven bedruckt.
Ein Einkauf im Weltladen erfreut mindestens dreimal, so Regina Herele.
Einmal den Einkäufer, dann den fair behandelten Produzenten, zuletzt die Menschen in Mãe Luiza, deren Projekte unterstützt werden. Eigentlich freuen sich noch viele andere oder gar alle.
Nur die Laufkundschaft freut sich nicht so häufig. Es hapert auch nach 30 Jahren noch etwas an der Bekanntheit des Weltladens. Man verzichtet auf Werbeanzeigen und hat am Kirchturm eine schon sehr dezente Werbung.
Beichtstuhl oder Gruselraum? – Wie alles begann
Die Freundschaft zwischen dem ehemaligen Steigenberger Pfarrer Konrad Albrecht und Padre Sabino, der seine Bestimmung in der Hilfe zur Selbsthilfe für Mãe Luiza gefunden hatte, begeisterte in Penzberg Ende der 80er Jahre immer mehr Penzberger. Man wollte ein sicheres Standbein schaffen, mit dessen regelmäßigen Einnahmen man die Arbeit in Natal unterstützen konnte. So begann man, die Idee der „Eine-Welt-Läden“, die seit den 1970er Jahren in Deutschland Fuß gefasst hatte, in Penzberg mit Leben zu füllen.
Zunächst hatte man einen Raum im Kindergarten der Pfarrei, dann einen Beichtstuhl mit Verkauf nach der Messe, wie sich die Leiterin, Regina Herele lachend erinnert. Im Jahr 1996 zog der Weltladen dann in sein heutiges Domizil um, den Kirchturm der Christkönigskirche. Daher auch das 30-jährige Jubiläum. Dabei erinnert sich der ehemalige Pfarrer von Christkönig, Willi Berchtold, dass man schon sehr viel Phantasie gebraucht hatte, um sich in diesem Abstellraum, Domizil von Fleder- und anderen Mäusen, ein Geschäft vorstellen zu können. Der damalige Vereinsvorsitzende, Joachim Keller, hatte da auch seine Zweifel, aber keine Alternativen und viel Optimismus. Der Gruselraum wurde zum Schmuckkästchen.



