{"id":902,"date":"2013-07-20T16:33:34","date_gmt":"2013-07-20T15:33:34","guid":{"rendered":"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/?p=902"},"modified":"2014-08-20T15:11:24","modified_gmt":"2014-08-20T14:11:24","slug":"stolperstein-oder-eckstein-die-lebensgeschichte-von-agnaildo-de-gomes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/?p=902","title":{"rendered":"Stolperstein oder Eckstein? \u2013 Die Lebensgeschichte von Agnaildo de Gomes"},"content":{"rendered":"<p>Heute hatten wir ein Treffen mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paulo_Suess\" target=\"_blank\">Paolo Suess,<\/a> einem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Befreiungstheologie\" target=\"_blank\">Befreiungstheologen<\/a>\u00b4, der 1966 von Deutschland kommend am Amazonas angekommen war. Begleitet wurde er von Agnaildo\u00a0 de Gomes, der uns seine Lebensgeschichte erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>In einem Dorf mit 13.000 Einwohnern geboren, wuchs er mit seinen Geschwistern und seiner Mutter auf. Seine einzige M\u00f6glichkeit, zum Familienunterhalt beizutragen war die Arbeit auf dem Zuckerrohrfeld.<\/p>\n<figure id=\"attachment_903\" aria-describedby=\"caption-attachment-903\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-fahrt-nach-recife-2012-c-hartl-frkr-ml.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-903 size-medium\" title=\"Zuckerrohrplantagen sind nach wie vor ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und zementieren durch die Gro\u00dfgrundbesitzer-Strukturen die (un-)sozialen Verh\u00e4ltnisse. Ganz zu schweigen davon, dass der Zuckerrohrschnaps zum Wegbeamen und Autofahren \u00f6kologisch und sozial einiges an \u201cZ\u00fcndstoff\u201d liefert. \u00a9 Gerhard \/ FrKr ML\" src=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-fahrt-nach-recife-2012-c-hartl-frkr-ml-300x159.jpg\" alt=\"Zuckerrohrfeld\" width=\"300\" height=\"159\" srcset=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-fahrt-nach-recife-2012-c-hartl-frkr-ml-300x159.jpg 300w, http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-fahrt-nach-recife-2012-c-hartl-frkr-ml.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-903\" class=\"wp-caption-text\">Zuckerrohrplantagen zum Wegbeamen und zur Treibstoffproduktion \u00a9 Gerhard \/ FrKr ML<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie im Film\u00a0von Charlie Chaplin \u2013 Moderne Zeiten \u2013 lief jeder Tag ab. Die gleiche eint\u00f6nige aber anstrengende Bewegung vollzog jeder Arbeiter nicht nur den ganzen Tag, die Bewegung wiederholte sich die ganze Nacht durch. Von 13 bis 23 Jahren arbeitete Agnaildo am Feld.\u00a0Dann kam er\u00a0zu der Erkenntnis, dass das Leben so nicht lange weitergehen w\u00fcrde und er beschloss, wieder auf die Schule zu gehen, die er mit 13 Jahren verlassen hatte. In der Mittagspause lernte er, w\u00e4hrend sich die anderen kurz erholten. Abends in der Schule schlief er manchmal ein vor M\u00fcdigkeit. Da begann er mit Gott zu ringen. Er sagte: \u201cDu hast mir mit 4 Jahren den Vater genommen, jetzt brauche ich eine Chance, nur eine Chance!\u201d\u00a0 Er ging nach S\u00e3o Paulo und wurde dort von den Franziskanern aufgenommen. Abends arbeitete er in der Stadt, weil sein dringender Wunsch war, zu studieren, Er bekam Kontakt mit dem Bischof und die M\u00f6glichkeit, an einer privaten Uni zu studieren. Seine Magisterarbeit schrieb er \u00fcber Obdachlose von Sao Paulo,\u00a0 F\u00fcr die Abschlusspr\u00fcfung musste er einen Text aus dem Deutschen bearbeiten. Daf\u00fcr verbrachte er ein halbes Jahr in Berlin, wo er bei der \u201cSuppenk\u00fcche\u201d Erfahrungen mit Obdachlosen in Deutschland machen konnte. In seiner Doktorarbeit verarbeitete er seine eigene Geschichte und gab ihr den Titel \u201cZuckerrohrschneider\u201d. Sein Leben hatte eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Wende genommen, Normalerweise arbeiten Zuckerrohrschneider nur 10 Jahre, dann sterben sie oder sind behindert oder allgemein arbeitsunf\u00e4hig, weil die Arbeit so hart ist. Normalerweise kommen die Menschen, die nach Sao Paulo gegangen sind auch \u00e4rmer zur\u00fcck als sie gegangen sind. Er hatte aber einen starken Willen und auch im rechten Moment die Menschen getroffen, die ihm geholfen haben, seinen Weg zu gehen. Mal war es ein Bischof, mal ein Priester, mal ein Abgeordneter, mal\u2026 \u00a0Er hat die M\u00f6glichkeiten aber auch wahrgenommen.<\/p>\n<p>Nicht jeder hat diese M\u00f6glichkeiten, aber eigentlich m\u00fcsste sie jeder haben. Sein Ziel\u00a0ist es nun, den Studenten weiterzugeben, dass diese M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle er\u00f6ffnet werden m\u00fcssen. Er setzt sich daf\u00fcr ein und gibt dieses Engagement an seine Studenten weiter, dass Wohn- und Arbeitsm\u00f6glichkeiten\u00a0 verbessert werden. Daf\u00fcr sieht er \u00a0Demonstrationen und Hausbesetzungen auch als geeignete und zul\u00e4ssige Mittel an \u2013 auch um zu Landzuweisungen zu kommen. Auch die Gesundheit der Arbeiter liegt Agnaildo am Herzen. Die Arbeiter sollen sich organisieren, dass die Arbeitsbedingungen besser werden. Wichtig dabei ist auch das politische Feld. Es gibt Gesetze, die m\u00fcssen aber eingehalten werden!!! Die Gewerkschaften sollen daf\u00fcr k\u00e4mpfen. Ganz realistisch sieht Agnaildo die M\u00f6glichkeiten: Noch ist es ein Kampf, dass es nicht noch schlechter wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_904\" aria-describedby=\"caption-attachment-904\" style=\"width: 198px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-645564_web_r_k_b_by_alexander-dreher_pixelio-de.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-904 size-medium\" title=\"\u00a9 Alexander Dreher \/ pixelio.de\" src=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-645564_web_r_k_b_by_alexander-dreher_pixelio-de-198x300.jpg\" alt=\"Steinpyramide\" width=\"198\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-904\" class=\"wp-caption-text\">Stolperstein oder Eckstein? Alles Ansichtssache!<br \/> \u00a9 Alexander Dreher \/ pixelio.de<\/figcaption><\/figure>\n<p>Paolo Suess erg\u00e4nzt die Erl\u00e4uterung der tats\u00e4chlichen Situation der Bev\u00f6lkerung in Brasilien. Es gibt verschiedene Gruppen, die benachteiligt sind. Dilma, die Regierungschefin von Brasilien, verhandelt im Moment mit allen. Sie kann Zugest\u00e4ndnisse machen an die arme Bev\u00f6lkerungsgruppe, wenn sie die Erh\u00f6hung der Buskosten zur\u00fccknimmt, \u00a0wenn sie mit der Gewerkschaft besseren Lohn aushandelt. Die Indios aber wollen keine Zugest\u00e4ndnisse, sie wollen ihr Land zur\u00fcck, das ihnen vor 500 Jahren genommen wurde und das ihnen auch heute noch durch kriminelle Methoden abgenommen wird. Daf\u00fcr kann Dilma nichts tun \u2013 weil das gegen die Interessen der Zuckerrohrfabrikbesitzer w\u00e4re, die das Land dazu brauchen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Vormittag schlie\u00dfe ich mit einem Wort von Agnaildo:<\/p>\n<blockquote><p><i>\u201eSteine im Weg k\u00f6nnen Stolpersteine sein oder Ecksteine werden.\u201c<\/i><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute hatten wir ein Treffen mit Paolo Suess, einem Befreiungstheologen\u00b4, der 1966 von Deutschland kommend am Amazonas angekommen war. Begleitet wurde er von Agnaildo\u00a0 de Gomes, der uns seine Lebensgeschichte erz\u00e4hlte. In einem Dorf mit 13.000 Einwohnern geboren, wuchs er mit seinen Geschwistern und seiner Mutter auf. Seine einzige M\u00f6glichkeit, zum Familienunterhalt beizutragen war die Arbeit auf dem Zuckerrohrfeld. Wie im Film\u00a0von Charlie Chaplin \u2013 Moderne Zeiten \u2013 lief jeder Tag ab. 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