{"id":876,"date":"2013-07-27T11:28:56","date_gmt":"2013-07-27T10:28:56","guid":{"rendered":"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/?p=876"},"modified":"2014-08-20T15:10:59","modified_gmt":"2014-08-20T14:10:59","slug":"die-favela-planalto-und-die-menschenrechte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/?p=876","title":{"rendered":"Die Favela Planalto und die Menschenrechte"},"content":{"rendered":"<p>Ein wundersch\u00f6nes Obstfr\u00fchst\u00fcck erwartet uns nach dem anstrengenden Kofferpacken. Wir essen nicht lang, dann beginnt die Verabschiedung von den anwesenden Familienmitgliedern von neuem. (Noch sind wir in S\u00e3o Paulo) Mit unseren Rollkoffern gehen wir zur Kirche. Unsere M\u00e3e wird die 300 Meter gefahren. Sie ist halt Brasilianerin\u2026 \u00a0Jetzt treffen wir auf die tr\u00e4nenreiche Abschiedsszene und auf den nachgereisten Martin Lechner, dem die Anstrengung des Flugs anzumerken ist. Auch ein Fernsehteam vom \u00f6rtlichen Sender ist da und will uns begleiten, wenn wir heute in eine Favela gehen werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_877\" aria-describedby=\"caption-attachment-877\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-66417_web_r_by_bernhard-thc3bcrauf_pixelio-de.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-877 size-medium\" title=\"Die \u201cFavela Rocinha\u201d ist die erste und gr\u00f6\u00dfte (130 000 EW) Favela Rio\u2019s) \u00a9 Bernhard Th\u00fcrauf \/ pixelio.de\" src=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-66417_web_r_by_bernhard-thc3bcrauf_pixelio-de-300x225.jpg\" alt=\"Favela Rocinha\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-66417_web_r_by_bernhard-thc3bcrauf_pixelio-de-300x225.jpg 300w, http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-66417_web_r_by_bernhard-thc3bcrauf_pixelio-de.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-877\" class=\"wp-caption-text\">Die Menge und Gr\u00f6\u00dfe der Favelas in den brasilianischen Gro\u00dfst\u00e4dten spiegelt die soziale Schieflage in diesem Land un\u00fcbersehbar. \u00a9 Bernhard Th\u00fcrauf \/ pixelio.de<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach vielen weiteren Tr\u00e4nen und Abschieden fahren wir nach Planalto, einer Favela wie M\u00e3e Luiza. Hier werden wir in einem kleinen Kirchengeb\u00e4ude vom Padre und der Jugendgruppe empfangen. Jeder stellt sich vor, und wir erfahren, dass Pastoral hier viel weiter geht als in Deutschland. Pastoral hei\u00dft hier, den Menschen in ihren konkreten Schwierigkeiten zu helfen.<\/p>\n<p>Der Gang durchs Viertel zeigt die arme Realit\u00e4t in Brasilien. Kaum zu ertragen, wie die Menschen hier leben m\u00fcssen. Enge, M\u00fcll, Armut. Ein \u201ebesseres\u201c Haus d\u00fcrfen wir besichtigen, vom oberen Stock aufs Viertel schauen. Ein Haus, das gerade umgebaut, renoviert wird, besteht haupts\u00e4chlich aus d\u00fcnnen Holzbrettern. Wo ist da die Menschenw\u00fcrde?<\/p>\n<figure id=\"attachment_878\" aria-describedby=\"caption-attachment-878\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-878 size-medium\" title=\"So leben die (fast) \u00c4rmsten: Holzverschl\u00e4ge auf 10 m\u00b2 f\u00fcr eine Gro\u00dffamilie mit Familienanschluss an die umliegenden 100 Menschen. Da meist illegale Ansiedlungen, st\u00e4ndig in der Angst, dass einem auch noch dieses Dach genommen wird und die Sorge, was man morgen essen soll. (Hier eine \u201cMini-Favela in der Favela\u201d M\u00e3e Luiza (Natal, RN), die sich vor mehreren Jahren angesiedelt hatte. Diese Menschen wurden wenigstens einigerma\u00dfen menschenw\u00fcrdig umgesiedelt \u2013 dies ist nicht immer der Fall.) \u00a9 Joachim Keller \/ FrKr ML\" src=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-neue-favela-in-ml-2007-c-joachim-frkr-ml-300x199.jpg\" alt=\"Favela\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-neue-favela-in-ml-2007-c-joachim-frkr-ml-300x199.jpg 300w, http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/wjt-neue-favela-in-ml-2007-c-joachim-frkr-ml.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-878\" class=\"wp-caption-text\">Fast 1\/3 der Bev\u00f6lkerung S\u00e3o Paulos sind Armutsfl\u00fcchtlinge aus dem Nordosten, wo sie vor der D\u00fcrre in der Sert\u00e3o in die Hoffnungslosigkeit der Slums gefl\u00fcchtet sind.<br \/> \u00a9 Joachim Keller \/ FrKr ML<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf der Stra\u00dfe begegnen uns die Menschen unterschiedlich. Manche beachten uns nicht, manche schauen uns unfreundlich an, aber manche erwidern auch unsere freundlichen Blicke mit einem L\u00e4cheln.<br \/>\nIn der Kirche kommen wir nochmal zusammen und tanzen gemeinsam.<\/p>\n<p>Der Nachmittag f\u00fchrt uns ins Menschenrechtszentrum. Ein Mittagessen wartet auf uns \u2013 ein paar Jugendliche haben uns begleitet und essen mit uns. Nach dem Essen singt und tanzt eine \u00e4ltere Frau f\u00fcr uns ein Lied aus ihrer Heimat im Nordeste. Sie singt teilweise so schr\u00e4g und falsch wie ich, aber es h\u00f6rt sich bei ihr trotzdem gut an.<\/p>\n<p>Fernando Altmann erkl\u00e4rt uns dann die Arbeit der Organisation. Dabei holt er weit aus, damit wir den Hintergrund seiner Arbeit verstehen.<\/p>\n<p>Brasilien ist das gr\u00f6\u00dfte \u201eschwarze\u201c Land der Erde. Selbst in Afrika gibt es keinen Staat, der genauso viele schwarze Bewohner hat wie Brasilien. Aufgrund ihrer Geschichte wissen die Brasilianer nicht recht, wer sie sind. Sie sind gemischt aus verschiedenen Rassen. Sie denken mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand, und deshalb muss jeder der die Brasilianer verstehen will auch mit dem Herzen denken. Das f\u00fchrt gleich zur Religion. Die Religion des Volkes ruft nach einem Papst, der auch mit dem Herzen denkt. Papst Benedikt war das nicht, Papst Franziskus ist das aber schon. Darum ist jeder Brasilianer gl\u00fccklich \u00fcber den neuen Papst. Er geht auch nicht gleich zum Weltjugendtag, wenn er nach Brasilien kommt, sondern geht in das Nationalheiligtum von Aparecida und besucht dann eine Favela. Dann erst kommt er nach Rio.<\/p>\n<figure id=\"attachment_883\" aria-describedby=\"caption-attachment-883\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-883 size-medium\" title=\"Brasilia ist schon auch ein realistisches Symbol f\u00fcr einen Staat, der traditionell recht weit weg ist von den Problemen und Bed\u00fcrfnissen eins gro\u00dfen Teils seiner Einwohner. \u00a9 Fabian Voswinkel \/ pixelio.de\" src=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/wjt-462923_web_r_by_fabian-voswinkel_pixelio-de-300x225.jpg\" alt=\"Bild der Verwaltungshauptstadt Brasilia\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/wjt-462923_web_r_by_fabian-voswinkel_pixelio-de-300x225.jpg 300w, http:\/\/maeluiza-penzberg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/wjt-462923_web_r_by_fabian-voswinkel_pixelio-de.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-883\" class=\"wp-caption-text\">Die k\u00fcnstliche Betonhauptstadt Brasilia &#8211; weit weg von den Menschen \u00a9 Fabian Voswinkel \/ pixelio.de<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Brasilien sind die Lebensumst\u00e4nde so ungerecht seit den 500 Jahren der Eroberung, weil die Regierung so unsensibel ist, weil sie nicht die Menschen im Blick hat. Im Menschenrechtszentrum versucht man den Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen. Es werden Brosch\u00fcren herausgegeben, die z.B. die Rechte der Frauen beschreibt, das rechte Verhalten, wenn man mit der Polizei zu tun hat, Informationen f\u00fcr Rentner, und was noch alles so wichtig ist.<\/p>\n<p>Das beeindruckende Beispiel der Arbeit schilderte Renaldo. Er wuchs mit 8 Geschwistern auf, sein Vater war fr\u00fch verstorben. Als er in seinem Dorf unterwegs war, fragten ihn 2 junge M\u00e4nner, ob er mit ihnen im Auto mitfahren wolle. Er stieg ein und fuhr mit. Bei einer Polizeikontrolle stellte sich heraus, dass das Auto gestohlen war. Weil die beiden Diebe noch nicht vollj\u00e4hrig waren, wurde er als Dieb angezeigt und ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Er wurde vor Gericht zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt \u2013 obwohl er unschuldig war. Im Gef\u00e4ngnis war zu dieser Zeit ein Aufstand, da wurden alle Insassen geschlagen und misshandelt, auch er. Bei der Berufungsverhandlung \u00e4nderte das Gericht das Urteil und verl\u00e4ngerte die Haftzeit auf 5 Jahre. Eine Anw\u00e4ltin des Menschenrechtszentrums erreicht seine Freisetzung auf Bew\u00e4hrung. Er entschloss sich, Jura zu studieren, um Jugendlichen auch helfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wundersch\u00f6nes Obstfr\u00fchst\u00fcck erwartet uns nach dem anstrengenden Kofferpacken. Wir essen nicht lang, dann beginnt die Verabschiedung von den anwesenden Familienmitgliedern von neuem. (Noch sind wir in S\u00e3o Paulo) Mit unseren Rollkoffern gehen wir zur Kirche. Unsere M\u00e3e wird die 300 Meter gefahren. Sie ist halt Brasilianerin\u2026 \u00a0Jetzt treffen wir auf die tr\u00e4nenreiche Abschiedsszene und auf den nachgereisten Martin Lechner, dem die Anstrengung des Flugs anzumerken ist. Auch ein Fernsehteam vom \u00f6rtlichen Sender ist da und will uns begleiten, wenn wir heute in eine Favela gehen werden. 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